Möglichkeiten eine Website zu strukturieren
Um eine genauere Vorstellung, davon zu bekommen, wie bei einer Neustrukturierung einer Website vorgegangen werden kann, habe ich zwei mögliche Verfahren gewählt, die sich gut dafür eignen: „Cardsorting“, um die Menüpunkte der Website nach eigenen Vorstellungen zu strukturieren und die Methode des „Usability- Tests“, um die Seite auf deren Benutzerfreundlichkeit zu prüfen. Diese beiden Verfahren möchte ich nun vorstellen:
Methoden
Card Sorting
Card Sorting eignet sich hervorragend, wenn man an sich auf die Ermittlung der optimalste Informationsdarstellung und -Architektur beschränken möchte. Man erhält mit dieser Methode einen verlässlichen Aussagewert und es hat zum Vorteil, dass man während eines Card Sortings die Schwachstellen beim Wording und den zugrundeliegenden Konzepten aufdecken kann.
Die Methode liefert jeweils eine Reihe von Vorschlägen für die Informationsstruktur. Beim Card Sorting, das von jeder Person selbst durchgeführt wird, rückt die Mustererkennung im Vordergrund. (vgl. Bleiker 2005, im Internet)
Ziel des Card Sorting
Bleiker beschreibt (2005, im Internet), das Ziel der Evaluierung sei es eine Verbesserung der eben angeführten Schwächen und Kritikpunkten, auf Basis von Richtlinien, einschlägiger Literatur und empirischer Daten möglichst konkrete und theoretische begründete Verbesserungsvorschläge zu bieten. Die Meinung von Usern stehe dabei im Mittelpunkt. Es solle eine Seite entstehen, deren Inhalte leicht und übersichtlich zu verstehen und zu lesen seien und deren Layout die User mit qualitativ stilvollem Design anspreche. Die Inhalte sollen logisch strukturiert zu finden sein.
Methode
Die Durchführung eines Card Sortings ist nicht schwer. Man erstellt Cards mit allen für die Gestaltung der Website relevanten Menüpunkten und Informationsbrocken (eventuell auch Links etc.), die man auf der Website oder in der Anwendung zur Verfügung stellen möchte. Jeder Teilnehmer sortiert die Kärtchen dann selbständig und innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens in für ihn logische Gruppen. Während des Sortierens kann und soll sich der Teilnehmer frei über unklare Begriffe äußern und seine Gedanken und Erwartungen zu einzelnen Kärtchen laut formulieren (siehe Auswertung). (vgl. Bleiker 2005, im Internet)
Bleiker (2005, im Internet) erklärt auch, dass man zwischen „offenen“ und „geschlossenen“ Card Sortings unterscheidet. Bei der offenen Variante können von den Teilnehmern nach Herzenslust Kategorien gebildet werden, während bei der geschlossenen Version bereits Kategorien vorgegeben sind, denen im Anschluss die ausgewählten Begriffe zugeordnet werden können. Selbstverständlich können auch beim offenen Card Sorting grobe Vorgaben gemacht werden: So kann z.B. die maximale Zahl der Kategorien festgelegt oder vorgegeben sein, ob die Teilnehmer einzelnen Häufchen eigene Überbegriffe geben können. Weitere Varianten ergeben sich z.B. durch die Option „Begriffe auf den Kärtchen selbst umzubenennen.
Man kann Card Sorting als Einzelperson mittels „Thinking Aloud“ Methode durchführen, beschreibt Friedl (2004, im Internet), in dem der einzelne laut ausspricht, weshalb er wann was tut. Es gibt aber auch Variationen, bei denen die Ergebnisse in der Gruppe erarbeitet werden. Hierbei ist aber die Gefahr zugegen, dass das Ergebnis nicht die wirkliche Meinung der Einzelnen widerspiegelt.
Zur Auswertung
„Auf keinen Fall aber sollte man sich auf die rein mathematische Auswertung numerischer Ähnlichkeitsgrade beschränken. Qualitative Aspekte verfügen beim Card Sorting über eine hohe Aussagekraft. Qualitative Aussagen und die Auswertung des Verhaltens während des Card Sortings liefern zusätzlich zu den quantitativen Daten die eigentliche Haupterkenntnis aus der ganzen Übung. Zu beachten sind also folgende Motive:
· Welche Begriffe bereiteten Mühe bei der Zuordnung? Welche Kärtchen wurden immer wieder umgelegt?
· Bei welchen Begriffen tauchten Verständnisprobleme auf?
· Bei welchen Begriffen wurden die Anwender fehlgeleitet? Wo verbanden sie mit den Worten andere Assoziationen als eigentlich beabsichtigt ist?“ (vgl. Bleiker 2005, im Internet)
Usability Test
Usability- Tests untersuchen die Benutzerfreundlichkeit von Programmen und Anwendungen. Bei solchenTests wird der Umgang der Teilnehmenden mit einer Lernumgebung beobachtet. So können Sie wertvolle Hinweise gewinnen, ob zum Beispiel eine Software für ihre Zielgruppe geeignet ist oder sich die Anschaffung einer bestimmten Infrastruktur lohnt. Usability bedeutet nicht nur‚ dass die Seiten gut zu lesen sind‚ dass Buttons und Links als solche erkennbar sind und dass die Navigation verständlich ist. Das ist‚ was man gewöhnlich unter Benutzerfreundlichkeit versteht. Zu Usability gehört auch‚ dass die Struktur einer Website auf den ersten Blick klar wird‚ dass der Benutzer immer weiß‚ wo er sich befindet‚ und dass die Texte dem Medium entsprechend aufbereitet sind. Inhalte und Präsentation bilden eine Einheit‚ alles ist auf denjenigen ausgerichtet‚ der das Ganze benutzen soll. Usability- Tests verhelfen einer Website also zur benutzerfreundlicheren Einrichtung und durch diese Tests werden die Kriterien, einer benutzerfreundlichen Seite ausfindig gemacht.
Während der Durchführung eines Usabilty- Tests sitzen Evaluatoren gemeinsam mit mehreren potenziellen Benutzer vor der Website und beobachten‚ wie User damit umgehen. Das allein genügt‚ um viele Probleme aufzudecken. Dabei ist nicht die Frage‚ ob Sie Probleme finden‚ sondern nur‚ wie schwerwiegend diese sind. Es gibt keine Site ohne Usability-Probleme. Die Kunst ist‚ die Benutzer möglichst wenig zu beeinflussen‚ sie aber durch geschicktes Nachfragen dazu zu bringen‚ ihre Eindrücke und Erwartungen zu verraten. Meist dauert eine Sitzung mit einer Testperson 45 Minuten‚ dabei wird schriftlich Protokoll geführt oder die Person und/oder der Bildschirm auf Video aufgezeichnet. Es gibt auch Tests mit so genannten Blickverfolgungs-Kameras‚ die registrieren‚ wo die Testperson auf dem Bildschirm wie lange hinsieht (vgl. Usability- Test 2007, im Internet).
Summativ oder formativ?
Je nachdem ob der Usability- Test zur summativen oder formativen Evaluation eingesetzt werden soll, unterscheidet sich die Vorgehensweise und die Zielsetzung.
„Die Hypothesenprüfung wird in der Evaluationsforschung typischerweise vorgenommen, nachdem die Maßnahme abgeschlossen ist. Neben dieser summativen Evaluation sind gelegentlich jedoch auch formative oder begleitende Evaluationen erforderlich, bei denen die Abwicklung der Maßnahme und deren Wirkungen fortlaufend kontrolliert werden“, so beschreiben Hellstern und Wolmann (vgl. Bortz, Döring 2003, S.112). Beispiele für formative Evaluationen seien die deutschen Kabelpilotprojekte Anfang der 80er Jahre, erklären Bortz und Döring (2003, S.113), mit denen die Auswirkungen des Empfangs vieler Fernsehprogramme getestet wurden, oder die Entwicklung einer neuen Unterrichtstechnik, bei der die Praktikabilität der Methode und der Lernerfolge der Schüler unterrichtsbegleitend geprüft werden würden.
Während induktive Tests der formativen Evaluationen dienen ( und somit durch das Schließen von Einzelfällen auf allgemeine Regeln Gestaltungvorschläge für die weitere Entwicklung von Prototypen gehen sollen), können bei deduktiven Tests zur summativen Evaluation mittels globalerer Bewertungsmaßstäbe auch mehrere Alternativen miteinander verglichen oder eine fertige Software hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit bewertet werden. Während induktive Tests vorzugsweise im realen Arbeitsumfeld durchgeführt werden, (z.B. um relevante Störvariablen mit zu erheben), sind bei deduktiven Tests Laboruntersuchungen angezeigt um eine Vergleichbarkeit zwischen den Verfahren gewährleisten zu können. Bei allen Usability-Tests werden vorher erstellte Arbeitsaufgaben durch Nutzer bearbeitet, während ein Experte als Beobachter fungiert. Zu beachten ist, dass auch bei induktiven Tests die gesamte für die Aufgabenbearbeitung erforderliche Funktionalität gegeben sein muss um sinnvolle Ergebnisse zu erhalten, da bei der Bearbeitung ansonsten Probleme entstehen können, die beim realen Produkt nicht auftreten würden. Außerdem müssen die Testaufgaben einer realistischen Arbeitssituation möglichst nahe kommen. Damit geht einher, dass auch die Versuchspersonen möglichst repräsentativ für die spätere Anwendergruppe sein müssen. Diese Voraussetzungen bedingen zwar, dass Usability- Tests nicht genauso zeitig durchführbar sind wie solche Evaluationsverfahren, die anhand von Screenshots oder Mockup- Screens organisiert werden können. Eine Durchführung in recht frühen Stadien ist trotzdem möglich, indem auf Prototypen zurückgegriffen wird, die nur einen kleinen Teil des endgültigen Systems abbilden. Eine möglichst frühe Durchführung ist auch deshalb sinnvoll, weil es den Nutzern in frühen Entwicklungsstadien leichter fällt grundlegende Kritik zu äußern als bei nahezu fertigen Systemen. Diese wiederum geben meist einen realistischeren Eindruck des Endprodukts (vgl. Rosson/Carol in Salaschek, Hilling, Freund& Kuhn 2007, S. 257).
Zusammenfassend ist also, laut Bortz und Döring (2003, S.113) zu sagen, dass summative Evaluation zusammenfassend die Wirksamkeit einer vorgegebenen Intervention beurteilt, während die formative Evaluation regelmäßig Zwischenergebnisse erstellt, mit dem Ziel, die laufende Intervention zu modifizieren oder zu verbessern.
Fragebogen- Verfahren
Es gibt mehrere Arten solche Tests durchzuführen. Eine davon ist auch, einen Fragebogen mit relevanten Fragen bezüglich der Benutzerfreundlichkeit einer Website zu erstellen, die z.B. lauten könnten: „Waren gesuchte Inhalte für dich leicht zu finden?“, oder „Hältst du das Navigationsprogramm der Website für verbesserungswürdig?“ Wir entscheiden uns für letztere Methode, da sie für unser Projekt besser geeignet scheint.
Bei der Fragebogen- Methode werden Nutzer zu verschiedenen Aspekten einer Software befragt. Voraussetzung ist meistens, dass die Nutzer das System gut kennen. Da Fragebögen fast immer quantitative Daten erheben, kann man mit ihnen besonders gut verschiedene Systeme oder Systemversionen vergleichen. Sie werden häufig auch eingesetzt, wenn Mittel für aufwendigere Verfahren fehlen (wie bei uns), oder es nicht möglich ist Nutzer eines Systems längere Zeit für eine Usability Evaluation abzustellen, weil sie kostengünstig sind und ihre Durchführung meist nicht sehr lange dauert. Die meisten der verbreiteten Instrumente liegen inzwischen auch als Computergestützte Version vor, die Erhebung und Auswertung weiter vereinfachen können. Ein qualitativ hochwertiger Fragebogen zeichnet sich neben der ökonomischen Anwendung durch drei Haupt- Gütekriterien aus (vgl. Bortz/ Döring 1995, S.112-113):
- Objektivität: sind die Ergebnisse des Fragebogens unabhängig von den Rahmenbedingungen der Durchführung?
- Reliabilität: Ist der Test frei von Zufallsfehlern?
- Validität: Misst der Fragebogen, was er messen soll?
(vgl. Salaschek, Hilling, Freund& Kuhn 2007, S. 259)
Umgang mit Ergebnissen von Usability- Tests
Je mehr Tests durchgeführt werden‚ desto qualitativer wird die Seitengestaltung. Ergebnisse der Usability-Tests werden üblicherweise in einem schriftlichen Bericht zusammengefasst. Manchmal wird auch eine Dokumentation der wichtigsten Szenen aus den Tests auf Video angefertigt. Das ist besonders hilfreich für Menschen‚ die wenig Erfahrung mit Usability haben. Denn es ist sehr überzeugend zu sehen‚ wie ein z.B. Benutzer Probleme hat‚ den richtigen Button zu finden‚ man selbst ihn aber für offensichtlich hält. Nach der Durchführung eines Usability- Tests werden Probleme analysiert und entsprechend ihrer Bedeutung für den Erfolg der Website gewichtet. Probleme in folgenden Bereichen sollten aufgedeckt werden:
- Missverständnisse bei Begriffen
- Übersehen von Steuerungselementen
- Orientierungsverlust
- technische Probleme
Aus den gefundenen Problemen leiten die Evaluatoren Lösungsvorschläge ab. Diese werden jeweils nach ihrer und nach dem Umsetzungsaufwand beurteilt. Optimal ist es‚ nach der Änderung der Site nochmals zu testen‚ ob die Probleme behoben sind‚ und ob nicht dabei neue Probleme entstanden sind – so kommen Sie auf den Weg zum Erfolg. (Jacobsen 2003, im Internet)
Quellenverzeichnis
Bleiker, Andreas (06.07.2005): Card Sorting – Viele Wege führen zu einer guten Informationsarchitektur. Verfügbar unter: http://www.usability.ch/News_D_NJ/NJ_cards.htm (Zugriff am 10. Dezember 2007)
Bortz, Jürgen; Döring, Nicola (1995): Forschungsmethoden und Evaluation für Sozialwissenschaftler. Berlin: Spinger.
Bortz, Jürgen; Döring, Nicola (2003): Forschungsmethoden und Evaluation. 3. Auflage. Berlin: Springer.
Das Web und die Zugänglichkeit (o.j.). Verfügbar unter: http://www.barrierefreies-webdesign.de/ (Zugriff am 20. Dezember 2007)
Friedl, Silvia (2004): Dokumantation/Beschreibung- Usability ests. Card Sorting. Verfügbar unter: http://dmt.fh-joanneum.at/projects/ebus2/objects/application_pdf/Test_Doku_CardSorting_v1.0.pdf (Zugriff am 11.Dezember 2009)
Gastager, Angela; Patry, Jean- Luc (2001): „Allen Leuten Recht getan…“. Widersprüchliche Anforderungen an die Evaluatoren. Projekt: Evaluation in Education. S.121.
Jacobsen, Jens (06/2003): Usability. Der Weg zum Erfolg. Verfügbar unter: http://www.contentmanager.de/magazin/artikel_339_usabilitytests.html (Zugriff am 12. Dezember 2007)
Usability Test 13.06.2007. Verfügbar unter: http://www.e-teaching.org/didaktik/qualitaet/usability/ (Zugriff am 18.11.2007)
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